Kontakt
NMS Losenstein
Eisenstraße 41
4460 Losenstein
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Bibliothek

Unsere Bücherei besteht aus einem Ausleihbereich und einer Arbeitszone mit PC-Arbeitsplätzen, die nach Absprache mit den Lehrern jeden Tag zwischen 7.00 Uhr und 7.30 Uhr für schulische Arbeiten benützt werden dürfen.

Die Entlehnzeiten sind von Montag bis Freitag jeweils von 10.25 Uhr bis 10.40 Uhr.

In diesem Jahr wurde die Aktion Österreich liest
Treffpunkt Bibliothek

zum Anlass genommen, den Eingang zur Bibliothek zu verändern. Nur ein Tunnel ermöglichte in diesem Zeitraum den Besuch unserer Bibliothek.


Die Schüler und Schülerinnen der ersten beiden Klassen beschäftigten sich in der gemütlichen Umgebung unserer Bibliothek mit ihren Klassenlektüren, die Schüler und Schülerinnen der dritten Klassen wurden mit Rätselkrimi-Lesungen von Klassenkollegen und Klassenkolleginnen gefordert und die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen konnten ihr Wissen bei einer Bibliotheksrallye testen und zeigen.




Unsere neuesten Bücher

MARGOS SPUREN
John Green

Margo ist Quentins große Liebe – und wird sein größtes Mysterium. John Greens Roadmovie ist eine Spurensuche auf dem Weg zum Erwachsenwerden.
Schon als kleiner Junge war Quentin in die schöne, impulsive Margo verliebt – und schon damals war sie ihm ein Rätsel: Niemand konnte so mutig und entschlossen sein wie sie, niemand wirkte so unnahbar. Nachdem Quentin Margo bei einem nächtlichen Rachefeldzug geholfen hat, verschwindet diese urplötzlich und hinterlässt geheimnisvolle Spuren. Quentin ist verwirrt: Sind die Spuren für ihn? Soll er die Suche aufnehmen? Doch dann verfolgt er jeden Hinweis und befindet sich plötzlich auf einer Reise voller Abenteuer, irgendwo zwischen Roadmovie, Detektiv- und Liebesgeschichte. Der dritte Roman des vielfach ausgezeichneten Autors aus den USA.


EREBOS
Ursula Poznanski

In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten. Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden. Auch Nick ist süchtig nach Erebos bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen




Highlight in unserer Bibliothek im November 2015 war eine Autorenlesung:

Autorenlesung mit Franz Sales Sklenitzka
Der beliebte Kinder- und Jugendbuchautor Franz Sales Sklenitzka fand am Donnerstag, den 12. November 2015den Weg in die NMS Losenstein, um sich mit unseren Schülern und Schülerinnen der ersten und zweiten Klassen ein Stelldichein zu geben.

Für die Erstklässler las er Ausschnitte aus seinem preisgekrönten Buch „Drachen haben nichts zu lachen“ sowie kurze Ausschnitte aus den drei Folgebänden. Geschickt verwickelte er dabei sein junges Publikum in ein Autorengespräch und ganz nebenbei erfuhren wir von seinem Nebenberuf als Drachologe. Auch einige Schüler wissen über Drachen recht gut Bescheid, super! Weiteres beeindruckte uns Herr Sklenitzka mit seinen hervorragenden Zeichenkünsten am Flipchart. Die Zeichnungen können in der Schulbibliothek besichtigt werden. Dem Autor war es im Besonderen wichtig, mit den Schülern in engen Kontakt zu treten und ihre Fantasie und Kreativität beim Weiterspinnen der Geschichte zu wecken. Das ist ihm ganz toll gelungen.

Mit den Zweitklässlern begab sich der Autor in ein interaktives Fantasy-Abenteuer. Ein gefährliches Unterfangen, weil im Dunkeln ein Höllenhund, eine Falle oder andere Gefahren lauern hätten können.  Die Schüler und Schülerinnen waren selber die Protagonisten  und konnten in gemeinsamer Absprache den Fortgang der Geschichte bestimmen. Leider führte uns der gewählte Weg in eine Sackgasse. Das Ziel, den Schatz im Ötscher zu bergen, war in dieser kurzen Zeit nicht möglich, aber vielleicht wurde das Interesse geweckt,  sich das Buch „Der Schatz im Ötscher“ in der Bibliothek auszuborgen.


Autorenlesung mit Gabi Kreslehner
http://www.eduhi.at/dl/Gabi_KRESLEHNER_Vita.pdf
Eine willkommene Abwechslung im Schulalltag war die Autorenbegegnung mit Gabi Kreslehner. Sie las am Montag, 23. März 2015, in der vierten Einheit für die Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen und in der fünften Einheit für die Viertklässler. Die Autorin nahm uns mit auf einen Streifzug durch das Jugendbuch „Charlottes Traum“, in dem sie das Thema Trennung der Eltern abhandelt. Aus dem Blickwinkel der fünfzehnjährigen Charlotte beschreibt sie deren durcheinander gewirbelte Gefühlswelt zwischen Wut und Zorn auf die eigenen Eltern  und ihren ersten eigenen Liebeserfahrungen.
Frau Kreslehner las ausdrucksvoll aus dem Buch vor und band die Schülerinnen und Schüler geschickt in das Geschehen mit ein, indem sie zum Beispiel über eine wichtige Entscheidung in Charlottes Leben abstimmen ließ. Zum Schluss bestand noch reichlich Gelegenheit, Fragen an die Autorin zu stellen. Alles in allem eine sehr bereichernde, spannende Lesung mit einer liebenswerten, unkomplizierten Autorin.

Autorenlesung mit Werner Färber
http://www.wernerfaerber.de/
Herr Färber hat für die ersten und zweiten Klassen aus dem Buch „Der Mops im Container“ gelesen und in kurzer Zeit einen guten Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen aufgebaut.
Für die Dritt- und Viertklässler hat der Autor aus dem Buch „Wie viele Level hat dein Leben“ gelesen. Hier ist der Funke leider nicht wie gewünscht übergesprungen. Das Schüler- und Autorengespräch hat sich danach dahingeschleppt.
Die Begegnung mit dem Autor war dennoch ein Erlebnis und rückt wieder ins Bewusstsein, wie wichtig das Lesen ist.  Wir haben gesehen, welch innige Beziehung der Autor zu seinen Buchfiguren aufbaut und wie respektvoll er mit seinen Geschichten und Büchern umgeht.


Gedicht von Werner Färber
DER HUND (REIN GESCHÄFTLICH)

Hoch am Himmel leuchten Sterne.
Am Straßenrand steht ‘ne Laterne.
Auf dass er sein Geschäft verrichte,
hockt ein Hund im fahlen Lichte.

Spät des Weges kommt ein Mann,
Er bleibt stehen, fragt sodann:
„Was machst du nur um diese Zeit
ganz ohne Herrchen weit und breit?“

Der so gestörte hebt die Pfote,
presst hervor mit saurer Note:
„Geh’n Sie mir nicht auf den Keks!

Bin rein geschäftlich unterwegs.




Die Schülerinnen und Schüler finden Kinder- und Jugendliteratur, aber natürlich auch Sachbücher zu den verschiedensten Themenbereichen. Außerdem gibt es die Zeitschrift Geolino.

Unsere Bücherei umfasst ca. 5500 Bücher und Zeitschriften.


Infos zum Thema Bücher für Kinder und Jugendliche finden Sie unter:
www.lesewelt.at
www.buchklub.at
www.buchzeit.at
www.jugendliteratur.net
www.stube.at
www.buecher-wiki.at

 

Neue Bücher im Schuljahr 2014/2015:
Zum 100 Jahr-Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges wurden in diesem Jahr die folgenden Bücher für unsere Bibliothek angekauft:

 

Der erste Weltkrieg
Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss von Versailles   
von Hermann Vinke, Ludvik Glazer-Naudé; Gerstenberg


Kriege fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht – von mächtigen Menschen.
Wie war es möglich, dass vor 100 Jahren aus einem Mordattentat ein Weltenbrand entstehen konnte, der das Aussehen Europas, ja der Welt unwiederbringlich verändern und Grundstein für einen zweiten großen Krieg legen sollte, der bis in unsere Gegenwart seine Nachwirkungen zeigt.
Auch wenn das Buch die Geschichte des Ersten Weltkriegs vor allem mit dem Blick auf Deutschland wiedergibt, werden doch die wichtigsten Ursachen, Voraussetzungen und Ereignisse dieser großen Tragödie zu Beginn des 20. Jahrhundert nachgezeichnet. Vor allem die Kapitel, in denen das Grauen des Krieges beschrieben und mit Dokumenten, literarischen Zeugnissen und anschaulichem Bildmaterial dokumentiert wird, zeigen, wie sinnlos die Menschen in diesem Krieg ihr Leben lassen mussten.
Der Ausblick auf die russische Revolution und den Gesellschaftsumbruch in Deutschland nach dem Krieg zeigt den jungen Leserinnen und Lesern beispielhaft, wie sehr sich Krieg auf das Leben nach den Kriegen auswirken.
Ein empfehlenswertes Buch, das verständlich Einblicke und Hintergründe zum 1. Weltkrieg vermittelt.

 

Der erste Weltkrieg
Die visuelle Geschichte
R.G. Grant. Burkhard Schäfer. Birgit Lamerz-Beckschäfer; Dorling Kindersley

„Dieses Buch zeigt den Krieg in all seinen Facetten: von den kurzen Scharmützeln in den fernöstlichen Kolonialgebieten, wo Japan deutsche Kolonien im Pazifik besetzte, bis zu den Schlachthöfen der Westfront, die in vier Jahren unverminderter Kämpfe Millionen junger Männer verschlangen.“
Im 1. Kapitel „Der unruhige Kontinent 1870 – 1914“ finden wir eine Vorgeschichte zum 1. Weltkrieg, ohne die der rasch um sich greifende Krieg unverständlich bleibt.
Das 2. Kapitel „Nicht nur bis Weihnachten – Dezember 1914“ widmet sich dem ersten Kriegsjahr 1914, in dem immer mehr Mächte in den Krieg gezogen werden, der sich nach anfänglichen offensiven Erfolgen immer mehr zum Stellungskrieg entwickeln soll.
Kapitel 3 kurz „Patt 1915“ genannt, nimmt den weiteren Verlauf des Krieges bereits vorweg. Die Schützengräben werden zum Symbol für den militärischen Stillstand und die Zunahme des Grauens und Schreckens des Krieges, der durch neue Waffen und Techniken, wie Luftbombardements und Giftgas immer mehr Opfer fordert.
Das 4. Kapitel „Jahr der Schlachten 1916“ steht im Zeichen der großen Schlachten und Offensiven, mit denen sich die kriegführenden Mächte aus der Sackgasse zu befreien suchten, die nach dem zunehmenden Stillstand entstanden war. Neben der Schlacht bei Verdun, der Skagerrakschlacht in der Nordsee, der Brussilow Offensive an der Ostfront, der Somme-Offensive im Westen u.a. erfahren wir auch vom irischen Osteraufstand gegen die Briten, von Flugzeugen und Luftkämpfen, der Bedeutung von Geheimdienst und Spionage, der medizinischen Versorgung im
1. Weltkrieg und dem Leben an der „Heimatfront“.
Kapitel 5 „Revolution und Desillusionierung 1917“ zeigt, wie der Krieg in eine neue Phase eintritt. Der uneingeschränkte deutsche U-Boot-Krieg führt zum Kriegseinritt der USA und im Osten führt die Russische Revolution zum Sturz des Zaren und zum Ende des Krieges gegen Russland.
Das 6. Kapitel „Sieg und Niederlage 1918“ widmet sich dem letzten Kriegsjahr und den letzten verzweifelten Versuchen der Kriegsmächte, den Sieg für sich zu erringen. Das abschließende Kapitel „Die Nachkriegszeit 1919 – 1923“ bietet einen Ausblick auf die ersten Jahre nach dem Weltkrieg, auf seine politischen, gesellschaftlichen und sozialen Folgen ebenso, wie auf die Veränderung der Landkarte Europas in den Friedenskonferenzen.

Das Buch überzeugt durch sein herausragendes Foto-, Bild- und Kartenmaterial und die verständliche Geschichtsdarstellung.

 

Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg
Was der Erste Weltkrieg mit uns zu tun hat 
Njkolaus Nützel; arsEdition

Wieso war das Attentat auf den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie der Startschuss für den Ersten Weltkrieg? Nikolaus Nützel holt seine jugendlichen Leser dort ab, wo sie stehen, indem er an Fragen ansetzt, die sie zum Thema stellen. Sein Sachbuch ist in 21 Kapitel gegliedert: Er rekapituliert sowohl die Ursachen als auch die Folgen des Ersten Weltkriegs. Gestützt wird die Darstellung durch zahlreiche Fotos und Abbildungen, z. B. Landkarten, Postkarten mit Kriegspropaganda und Archivaufnahmen aus dem Krieg. Den Aufhänger, auf den der Autor immer wieder zurückkommt, bildet seine eigene Familiengeschichte. Er erzählt von seinem Großvater, dessen Bein amputiert werden musste, nachdem ihn ein Granatsplitter in den Unterschenkel getroffen hatte. Aufgrund der Verletzung durfte er nach Hause. Schon 1914 kam er von der französischen Front wieder heim. Seine Existenz verdanke Nützel also gewissermaßen dieser Granate, resümiert er, denn sonst hätte der Großvater ja nicht fünf Kinder zeugen können, darunter die Mutter des Autors. Von dieser persönlichen Geschichte ausgehend, spannt Nützel den Bogen zur Weltgeschichte und macht hierbei deutlich, wie sich das große Ganze im Einzelschicksal spiegelt, wie alles zusammengehört, sich miteinander verbindet und wie ein historisches Ereignis das nächste bedingt. Immer wieder wirft er von der Darstellung der Ereignisse von 1914-1918 einen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus und erklärt seinen jugendlichen Lesern, dass der Erste Weltkrieg den Boden bereitet hat für die NS-Diktatur. Er nennt Hitler ein besonderes Beispiel für die Verrohung durch den Krieg (S. 70) und erläutert, dass ein verkrachter Künstler wie Hitler (S. 18) es ohne den Ersten Weltkrieg nie zum Reichskanzler gebracht hätte.

Nützel betrachtet viele Facetten des Ersten Weltkriegs: Mobilmachung und Kriegseuphorie zu Beginn, Einsatz von Waffen, Frontverlauf, vergessene Gefechte an den Alpen und am Mittelmeer, wirtschaftliche Hintergründe ( Krieg als Geschäft ), Hunger und Leiden der Zivilbevölkerung und vieles mehr. Er erkundet die Hintergründe und stellt viele Fragen: Wer war schuld? Wer hat gewonnen? Aber auch solche, die weit über den Ersten Weltkrieg hinausgehen: Was ist ein Held? Wann wird der letzte Krieg gekämpft? Zugunsten dieser weitreichenden Perspektive und der Fragen, die uns auch heute noch beschäftigen, verzichtet er bewusst auf die ausführliche Darstellung einzelner Schlachten, denn diese stellen sich ihm bei der Recherche dar wie ein bizarres, blutiges Hin und Her, bei dem schon bald hätte klar sein können, dass es keinen wirklichen Sieger geben würde. (S. 45)

Nützels Sachbuch ist sowohl für jugendliche als auch für erwachsene Leser äußerst lesenswert, denn es überzeugt durch besondere Anschaulichkeit. Es ist spannend und leicht zu lesen, was vor allem daran liegt, dass der Autor einen permanenten Gegenwartsbezug herstellt und auch die eigene Perspektive in die Darstellung einbindet, indem er über seine Recherchearbeit Auskunft gibt, und auch über die Gefühle, die er angesichts der historischen Ereignisse hat. Beispielsweise erzählt er von seinen eigenen Besuchen in Verdun und führt aus: Wenn ich heute auf dem Schlachtfeld von Verdun herumlaufe, bin ich wirklich verblüfft: Überall dort, wo nicht Landwirtschaft betrieben wird, sind die Spuren des Krieges noch deutlich sichtbar. (S. 59) Nützel zögert nicht, die eigene Betroffenheit zu artikulieren, fragt sich, wie es ist, wenn direkt neben einem Granaten einschlagen, erzählt von seinen eigenen Urlauben auf Korsika, wo er auch immer wieder auf Spuren des Ersten Weltkriegs stößt. Weiterhin berichtet er von seinen eigenen Kindern und wirft einen Blick in deren Schulbücher, der ihm deutlich macht: Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Kriegen. (S. 125) Von hier aus stellt er generelle Überlegungen an zu einer Frage, die uns alle beschäftigt: Warum nur gibt es immer wieder Krieg? Durch diesen Ansatz und auch durch die gekonnte Einbindung der Geschichte von Nützels Großvater schafft es der Autor, die Bedeutung hervorzuheben, die der Erste Weltkrieg für uns heute noch hat. Dazu tragen auch kleine Anekdoten bei, die durch Kästen in den Text eingefügt sind, z. B. jener, die erzählt, was der Erste Weltkrieg mit britischem Pop zu tun hat : Eine britische Indie-Pop-Band nennt sich Franz Ferdinand , mit der Begründung, das Leben des ermordeten österreichischen Erzherzogs, sei der Katalysator für die komplette Umwälzung der Welt gewesen. Dazu kommentiert Nützel: Auch das ist eine Art, wie man das Gemetzel des Ersten Weltkriegs betrachten kann. (S. 38)

Durch die Textlektüre wird fassbar, warum die Auseinandersetzung mit Geschichte Sinn macht – auch für jugendliche Leser! Der Krieg erscheint nicht mehr weit weg, sondern die Jahre 1914-1918 werden verstehbar und es wird klar, wie der Erste Weltkrieg den Boden für den Zweiten Weltkrieg bereitete. Nützel verweist in diesem Kontext darauf, dass viele Historiker die beiden Weltkriege gar nicht als getrennte Ereignisse betrachten und man vielmehr von einem Zweiten Dreißigjährigen Krieg sprechen könne, der 1914 begonnen habe. Vor diesem Hintergrund verdeutlichen sich in Nützels Buch die Auswirkungen, welche die beiden Kriege für uns heute noch haben – über Mauerbau und Mauerfall bis hin zur Eurokrise. Am Ende stellt der Autor eine Beziehung zu aktuellen Kriegen her: Und die zerstörten Häuser in Syrien oder Libyen, die ich in den Jahren 2012 und 2013 sehen konnte, sehen genauso aus wie zerstörte Häuser in Frankreich und Belgien der Jahre ab 1914. (S. 127) Da kann man sich als Leser mit dem Autor gemeinsam wundern, dass sich die Friedensbewegung fast völlig aufgelöst hat. (S. 130)

 

Feldpost für Pauline
Maja Nielsen; Gerstenberg

Die 14-jährige Pauline bekommt eines Tages Post: einen Feldpostbrief aus dem Jahr 1916 aus Verdun. Die Überraschung ist natürlich groß, fast hundert Jahre Verspätung für einen Brief kommt auch nicht alle Tage vor. Mühsam entziffert Pauline die in Sütterlin geschriebene Nachricht eines gewissen Wilhelm an Pauline, in diesem Fall die Urgroßmutter des Mädchens. Die Liebeserklärung von Wilhelm weckt Paulines Neugierde, was damals in den düstersten Zeiten des ersten Weltkrieges eigentlich geschehen ist und was es mit der Geschichte um Wilhelm und Pauline eigentlich auf sich hat.
Das Mädchen Pauline trifft sich mit ihrer Großmutter Lieschen, und gemeinsam stöbern Großmutter und Enkelin in alten Briefen und Paulines Tagebuch. Großmutter erzählt, was sie von ihrer Mutter weiß, und so wird der Schrecken des Großen Krieges wieder lebendig. Wilhelm schreibt in Briefen vom Drill in der Kaserne, vom Leben im Schützengraben, von der Materialschlacht in Verdun. Pauline notiert in ihrem Tagebuch, wie von schrecklich verletzt die Soldaten sind, die sie zu versorgen hat, und welche Angst sie um den geliebten Wilhelm hat. Die Liebe für einander und Wilhelms Liebe zur Musik trägt die beiden durch die Kriegsjahre.
Eingebettet in die gegenwärtige Geschichte der jungen Pauline, die eine begnadete Cello-Spielerin und gerade unglücklich in Nick verliebt ist, entsteht eine Verbindung zu den Geschehnissen von vor hundert Jahren. Wilhelm spielte Cello und rettete sich damit vor den Franzosen, Pauline hat diese Leidenschaft von ihm geerbt. Durch die Nachmittage mit der Großmutter wird ihr bewusst, was im Leben wirklich zählt.

Die Schrecken des ersten Weltkrieges sind in Feldpost für Pauline durchaus drastisch geschildert. Die Idee, über Feldbriefe und Tagebuch-Einträge die Stimmen aus der Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen, funktioniert gut, zumal Maja Nielsen durch die Rahmenhandlung einen Bezug zur heutigen Lage Deutschlands als Kriegsteilnehmer in Afghanistan zieht. Sie schärft damit nicht nur das Bewusstsein für die deutsche Geschichte, sondern auch für die Soldaten, die heute am Hindukusch kämpfen.


Charlottes Traum
Gabi Kreslechner; Gulliver von Beltz&Gelberg

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe auseinander bricht ist in der heutigen Zeit relativ hoch und so ist gerade die Frage, wie Kinder mit der Trennung ihrer Eltern zurechtkommen, topaktuell.
Gabi Kreslehner nimmt sich des Themas einer gescheiterten Ehe aus dem Blickwinkel der fünfzehnjährigen Charlotte an und beschreibt detailliert, was es für sie bedeutet, mit einem mal aus dem gewohnten Tagesablauf und Lebensumfeld gerissen zu werden. Gleich zu Beginn macht Kreslehner klar, dass keine Trennung glatt und emotionslos abläuft. Nicht nur die getrennten Eltern sind verunsichert sondern auch die Kinder und reagieren mit Wut und Zorn.
Ich wohne hier nicht mehr. Scheiße, ja, ich wohne hier nicht mehr, und wer was anderes sagt, der lügt! Aber es sagt ohnehin keiner was anderes, weil`s nichts anderes zu sagen gibt. Es ist einfach so, dass ich nicht mehr hier wohne. (7)
Nach der Trennung sind Charlotte, ihre Mutter Sylvia und ihre zwei kleinen Brüder Oliver und Felix gezwungen, für eine Weile bei ihrer Großmutter zu leben, während ihr altes geliebtes Haus verkauft wird.
Charlotte fällt es zunächst schwer, die Trennung zu verstehen. Sie hasst ihren Vater dafür, dass er sie verlassen hat und sehnt sich gleichzeitig nach ihm. Von ihrer Mutter weiß sie, dass die Liebe mit der Zeit einfach verschwunden ist und Babsi, die neue Freundin ihres Vaters zu hassen gelingt ihr auch nicht wirklich. Zudem fällt ihre Mutter nach der Trennung in einen Zustand der Apathie.
Wenn meine Brüder sich halb die Köpfe eingeschlagen hatten, zeigte sie auf mich und sagte:
Geht zur Charlotte. Charlotte macht das schon. Gell, Charlotte, du machst das schon. Du bist ja meine Große!` Aber ich machte das nicht, ich haute ab. Raus aus dem Viertel, durch die Gassen, in die Au, zu unserem Haus. Da konnte ich traurig sein. Und zornig. (16)
Die Trennung der Eltern, der Auszug aus dem alten Haus und die Tatsache, dass Charlottes Mutter arbeiten gehen musste, haben Auswirkungen auf die Leistungen in der Schule. Charlotte muss die Klasse wiederholen. Sie fühlt sich in der neuen Klasse nicht besonders wohl und sich verschworenen Grüppchen gegenüber, die niemand Neuen zu lassen. Am meisten sticht Erwin Sulzer aus der Klasse heraus, der Schüler mit der  fetzigen Klappe`, der es schaffte jederzeit eine Unterrichtsstunde zu schmeißen und der immer für eine Rauferei gut war. Und da ist dann noch Charlottes Freundin Dani, mit der sie viel Zeit in Einkaufshäusern beim Bummeln verbringt.
Während des Jahres kommt ein neuer Schüler in die Klasse. Carlo hatte in Italien gelebt, bis seine Mutter nach dem Tod seines Vaters wieder nach Deutschland zurückgekehrt war. Seither träumt Carlo davon wieder in Italien zu leben. Erwin Sulzer und Carlo verlieben sich gleichzeitig in Charlotte, werden nach einer klärenden Rauferei aber Freunde und Charlotte erlebt mit Carlo ihre erste große Liebe.
Als Charlottes Vater wieder heiratet und seine alte Familie zur Hochzeit einlädt, müssen alle zu ihrem Schrecken bemerken, dass Babsi schwanger ist. Charlotte muss erkennen, dass die Gefühlswelt der Erwachsenen nicht weniger kompliziert ist, als ihre eigene.

Gabi Kreslehner erzählt flott und authentisch die Geschichte einer Jugendlichen, deren Gefühlswelt zwischen der Wut über die Trennung ihrer Eltern und ihren ersten eigenen Liebeserfahrungen durcheinander gewirbelt wird. Auch wenn die Erfahrung ihrer Eltern zeigt, dass die Liebe nicht ewig währen muss, lässt sie sich doch von ihren Gefühlen davon tragen. Ein überaus lesenswertes Jugendbuch, das zu Recht mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden ist.